Trieb ist eine gemeingeschlechtliche Perversion der ursprünglich auf zwei Geschlechter und über Jahre periodisch verteilten Trennung von Wunsch und Begierde: vorgeschichtlich gab es da keine Einheit. Die Begierde kommt einseitig männlich zum Zug in Hunger und Not. Die weibliche Begierde tritt erst auf, wenn die Not vorüber ist, der Hunger vorbei. Dann aber ist sie unersättlich und getragen vom Wunsch. Die Begierde des Mannes erlischt im einigen Wunschverschluss beider Geschlechter. Die Begierde ist lebendig. Der Wunschverschluss aber führt zu neuem Leben: Schwangerschaft. Gelegentlich der Zeugung geht die Begierde unter.
Formalisiert, verschriftlicht, rechtlich zementiert, hat der Wunschverschluss seinen Höhepunkt und Abschluss in der Ehe. Die Ehe ist der Tod der Begierde und des eigenen Lebens. Der tote Leib richtet sich wieder auf in zerstückelter Körperlichkeit und fremdes Leben erwacht in ihm in Phantasien, die sich verwirklichen lassen und dann Triebhaftigkeit genannt werden. Die Begierde ist nun äußerlich wieder da und ganz mit dem Wunsch vereint. Die Vereinigung ist der Trieb im Begriff. Als Trieb ist er absolut frei über den untoten Körper verteilt und nennt sich pervers. Textlich lässt er sich fixieren, begreifen. Wissenschaftlich-analytisch wird er verteilt - irgenwie auch klassifiziert - auf Entwicklungsstufen. Fragt sich den keiner, warum man bis jetzt einen Prozess der Fixierung nicht beweisen konnte. Alle Triebhaftigkeit oder die Perversion des Triebs (gen. subj.) ist die Verbindung von Wunsch und Begierde in rätselhaft unbestimmter sich ewig wandelnder über den zerstückelten Körper hin wandernder Einzigkeit. Trieb ist ein Zeichen verlorener Zweisamkeit.
Die Ehe erzeugt also eine im Dunkel des Triebs umherschleichende grausame unbegreifliche absolute Zweisamkeit. Triebtheorie ist der vergebliche Versuch, die unberechenbare Zweisamkeit niederzuschlagen. Man kann mit Begriffen nicht etwas fassen und erschlagen, das selbst nur begrifflich, ein Gespenst auch ist.
Kleinfamilie: das ist die Ergänzung der Zweisamkeit durch das Verbrechen der Nachkommenschaft. Jedes Sexualdelikt ist ein Kind der Zweisamkeit und mit dem Verbrechen aus Zweisamkeit ist die Kleinfamilie komplett.
Seltsam, wie sehr doch der perverse Trieb in seiner Unbestimmtheit und Unbeständigkeit der Wirkung über unseren Körper hin durch dessen Geist unserem Bild des einen Gottes gleicht. Unbegreiflich sinnlos ist er und unberechenbar. Und die Wissenschaft ist ihr gläubiger Diener.
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