Frauen können (noch) gar nicht
(wieder) richtig lieben. Sie gehen und stehen (noch) nicht (wieder)
aufrecht und begreifen nicht die eigenen Sinnlichkeit, die Funktionen
ihres Leibs. Sie wissen nicht um dessen besondere Liebesfähigkeiten
und -funktionen. Menschlich ist der Zeichenbezug zum andern
Geschlecht. Mit dem Geldwert der Zeichen aber ist die ursprüngliche
besondere Menschlichkeit verloren gegangen. Alle Menschlichkeit hat
sich in ein widerliches Mitleid verwandelt. Der natürlichen leiblichen
Liebe des Mannes, sofern es sie noch gibt, begegnet das Weiblein mit
Mitleid oder Verachtung. Die eigenen Liebe aber ist ihr äußerlich
geworden im Warenreich der käuflichen Zeichen und sie selbst ergibt
sich vollständig der Vermittelbarkeit. Ihre Liebe heut und für
lange Zeit noch ist nur entweder käuflich oder veräußerbar. Die
käufliche Liebe ist die des passiven Falls in die Prostitution und
die veräußerbare Liebe ist die der aktiven Hingabe an Macht und
Reichtum am Mann. Die veräußerliche Liebe ist die tugendhafte, die
andere eine Untugend. Setzt man Untugend und Tugend in eins, dann ist
man beim Leib und der geschlechtlichen Widerlichkeit des Menschen.
MenschSein ist naturwidrig. Die tugendhafte Liebe und die
Prostitution aber suchen immer ihr Vorbild im Tierreich – und
finden sie dort natürlich auch. Die bürgerliche Gesellschaft ist
das Reich der sprechenden Tiere und genau so dämlich simpel
begreift die Bourgeoisie sich und ihr blödes Gerangel.
Was bleibt dem Mann der allein ist mit
seinem Leib? in einsamer Einzigkeit?: eine kalte Sinnlichkeit, die
das oberflächliche Weib zur Verzweiflung bringt und eine grausame
Wollust, die ihr Abscheu und Mitleid verursacht. Das ist de Sade. Falsch ist das Weib,
weil es das nicht begreift. Wo bleibt der Erlöser ohne Mitleid, der
das alles und die leibliche Lösung allen deutlich machen kann? De Sade war noch nur reiner Widerstand im Leben und Schreiben gegen bürgerlichen Schwachsinn und gegen den Niedergang vornehmer Menschlichkeit. Seine Erlösungsversuche waren einzigartig und also vollkommen umsonst und sind uns von polizeilicher Dummheit entstellt nur übermittelt. Man kann nur mitlieben mit ihm: ' ... Ich dachte dein, das floss mir Trän um Träne ... '. In Lacost bei der Burgruine hat einer de Sade als Albatross uns auch vorgestellt.
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