... kommt, 's ist Zeit, 's ist höchste Zeit.
Niemand liebt. So wie der Glaube der Wunsch ohne Objekt ist, so die Liebe eine Beziehung ohne Hirn und ohne Leib. Die 'große Liebe' gibt
es nur auf und in Bildern. Sie ist eine Vorstellung, die ausschließlich in
einem selbständigen Zeichen- und Schrift-Raum existiert, eine Aneignung dieser künstlichen Äußerlichkeit durch Einbildung auf der Basis von
Dummheit. Sie ist eine Schwäche, die sich geben will. Sie
ist die unmögliche Sehnsucht nach einem starken Gegenspieler, der
sich einen Mangel oder leeren Wunsch einhandeln will. Liebe ist also etwas wie Kunst ganz allgemein.
Ich hab nur ein Herz im Leib und
keine Herzlichkeit im bildhaften Sinn. Mein Herz schlägt für ein
anderes Herz, das mitreißen muss und dem man langer starker Halt
sein darf hinein in einen endlos lange dauernden wollüstigen Untergang. Ich
hab ein Herz, das verlangt danach, unaufhörlich genommen zu sein. Das
ist vermittelte Begierde und sie allein ist eine besondere leiblich Kraft des Menschen.
Liebe hingegen gehört dem Vereinzelten
im Zustand des Begehrens, sie lässt den Leib für sich sein und der wollüstiger Sturz in sich dazu wird ihm und seinem Geist zum Weltuntergang.
Ich kann nicht lieben, sondern mich nur
freundlich leiblich mit dem Herz eines anderen verschließen. Die
Wollust dabei kann nur gegenseitiges Festhalten sein. Die Hingabe
muss am anderen ein Verlangen erzeugen, das seinem Leib Leichtigkeit
verleiht. Da beginnt man sich schwebend empor zu erheben. Der Rausch des Fliegens verbindet Partner gleich leichter Gewichtung zu unvorstellbarer unglaublich fester leiblicher Einheit, die
die Liebe nie und nimmer erzeugen kann.
Die Liebe ist nur falscher Begriff des Geistes vom Leib und hat also wie die Lüge an der Wirklichkeit teil. Liebe ist objektive und Lüge ist subjektive Gewalt.
Der Geschlechtsverschluss gehört nicht
zu meiner Herzlichkeit. Durch vorsichtigen Kuss nur dürfen Auge Nase
Mund der Verehrten Schönheit und Köstlichkeiten die höchste Bewunderung still mitteilen. Ein Heil will der Leib dem anderen sein und sanft von ihm gestillt. Kuss wird Wollust, die wollüstige Befriedigung eine unter Gleichen, bei der man sich stützt mit dem Leib und
hält mit fester Hand.
Wer auf dem andern nur vorne draufliegt,
bedrückt doch sein Herz. Wer für das eigene Verlangen Hingabe
fordert, der erstickt es. Liebe erdrückt und erstickt alles am Leib.
Die freundliche Herzlichkeit aber
beglückt – mich nur durch Dich.
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