Sonntag, 6. September 2015

Freunde ...

... kommt, 's ist Zeit, 's ist höchste Zeit.

Niemand liebt. So wie der Glaube der Wunsch ohne Objekt ist, so die Liebe eine Beziehung ohne Hirn und ohne Leib. Die 'große Liebe' gibt es nur auf und in Bildern. Sie ist eine Vorstellung, die ausschließlich in einem selbständigen Zeichen- und Schrift-Raum existiert, eine Aneignung dieser künstlichen Äußerlichkeit durch Einbildung auf der Basis von Dummheit. Sie ist eine Schwäche, die sich geben will. Sie ist die unmögliche Sehnsucht nach einem starken Gegenspieler, der sich einen Mangel oder leeren Wunsch einhandeln will. Liebe ist also etwas wie Kunst ganz allgemein.

Ich hab nur ein Herz im Leib und keine Herzlichkeit im bildhaften Sinn. Mein Herz schlägt für ein anderes Herz, das mitreißen muss und dem man langer starker Halt sein darf hinein in einen endlos lange dauernden wollüstigen Untergang. Ich hab ein Herz, das verlangt danach, unaufhörlich genommen zu sein. Das ist vermittelte Begierde und sie allein ist eine besondere leiblich Kraft des Menschen.

Liebe hingegen gehört dem Vereinzelten im Zustand des Begehrens, sie lässt den Leib für sich sein und der wollüstiger Sturz in sich dazu wird ihm und seinem Geist zum Weltuntergang.

Ich kann nicht lieben, sondern mich nur freundlich leiblich mit dem Herz eines anderen verschließen. Die Wollust dabei kann nur gegenseitiges Festhalten sein. Die Hingabe muss am anderen ein Verlangen erzeugen, das seinem Leib Leichtigkeit verleiht. Da beginnt man sich schwebend empor zu erheben. Der Rausch des Fliegens verbindet Partner gleich leichter Gewichtung zu unvorstellbarer unglaublich fester leiblicher Einheit, die die Liebe nie und nimmer erzeugen kann.

Die Liebe ist nur falscher Begriff des Geistes vom Leib und hat also wie die Lüge an der Wirklichkeit teil. Liebe ist objektive und Lüge ist subjektive Gewalt.

Der Geschlechtsverschluss gehört nicht zu meiner Herzlichkeit. Durch vorsichtigen Kuss nur dürfen Auge Nase Mund der Verehrten Schönheit und Köstlichkeiten die höchste Bewunderung still mitteilen. Ein Heil will der Leib dem anderen sein und sanft von ihm gestillt. Kuss wird Wollust, die wollüstige Befriedigung eine unter Gleichen, bei der man sich stützt mit dem Leib und hält mit fester Hand.

Wer auf dem andern nur vorne draufliegt, bedrückt doch sein Herz. Wer für das eigene Verlangen Hingabe fordert, der erstickt es. Liebe erdrückt und erstickt alles am Leib.

Die freundliche Herzlichkeit aber beglückt – mich nur durch Dich.

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