Donnerstag, 10. September 2015

Narziss Pogrom und Sodom

Sodom ist das Paradies, aus ihm hat Narziss sich davon gestohlen.

Die Jungfräulichkeit war ein Diebstahl der Unschuld, der einzige Sündenfall.

Warum ist der Priester ein Sodomist?: weil er ein WegWeiser ist ins irdische Paradies. Die von der 'reinen' Liebe beseelten narzisstischen Verbrecher an der Spitze der Kirchenhierarchie wissen das nicht. Am Grund aber gärt es unaufhörlich und der übelriechende Schlamm tut naturnotwendig sein Erlösungswerk.

Allerdings ist diese religiöse Form der Erlösung eine einseitige Angelegenheit. Der Priester erlöst ja nur sich. Für das Opfer ist das in der Regel nur die Hinwendung in erzwungener Lieblichkeit an eine Teufelei.

Erlösung plus Gewalt ist also höhere GlaubensSache und heißt als Massenerscheinung auch: Pogrom.

Einer Religion, die ihr Paradies auf Erden hat, fehlt natürlich das idealische Plus der Vergewaltigung.

Im kommenden Weltuntergang ist also jedem Christen das Recht auf ein Pogrom im Diesseits begründet.

Das Schöne ist für den Menschen bezogen auf den menschlichen Leib. Es ist das, was dem Menschen an sich und ihn für sich selbst sexuell begehrenswert macht  u n d  das, was ihm am anderen begehrenswert scheint.

Die 'wahre' Liebe ist daher die narzisstische Befriedigung des Selbst und ist in Bezug auf den eigenen Leib die wünschenswerte Äußerlichkeit, mit der man wirken muss. Das ist Wille zum Wunsch. In Bezug auf den Leib des anderen aber ist das die Begierde, der Wille zur Wollust, der Wunsch in der Rückwirkung auf den fremden Leib. Also ist die Begierde beim Menschen unnatürlich naturgewollt, unauflöslich und unaufhörbar auch doppelt verschlungen.

Unfertig ist der Mensch und verleibt sich das andere Unfertige permanent ein. Grund des Narzissmus ist die Tatsache, dass der Leib uns immer als unfertig erscheint. Die Liebe behauptet gelegentlich seine Fertigkeit im erfüllten Wunsch. Darum ist die Liebe zu anderen erwachsenen Menschen immer warenvermittelt und die zum Kind ist wahr, weil es die an den eigenen Leib anwachsende Wirklichkeit ist. Das Kind wächst in seiner Unfertigkeit.

Der Reifungsprozess ist es, der den Menschen beschönigend von sich befreit. Das Unfertige wird beim Reifen selbst zur narzisstischen Schönheit.

Damit sind wir bei der Ernte zwischen Ware und Wahrheit.

Die reine Liebe des Leibes ist eine andere als die 'wahre'. Sie ist Wunsch und Begierde zugleich und öffnet den Leib hin zu den Dingen. Die Liebe gehört dem Leib und die Dinge sind ihm unheimlich. Das Äußere ist unfertig und wird abgerissen, das Unreife will abgetrieben sein. Das ist der Wille der Natur, ihre Entfremdung von sich in uns.

Der Mensch vorgeschichtlicher Zeit steht noch hinter dem Spiegel und nicht davor wie Narziss.

Wer überwindet Narziss? Der doch, der sich hinter den Spiegel der oberflächlichen menschlichen, der Fortpflanzung dienenden Geschlechtlichkeit stellt. Im Spiegel hoher Verliebtheit wird der Mensch nur wieder Vieh: im verlogenen Bild seiner Bildung. Hinter dem Spiegel aber oder im Traum wird ein Raum in den Raum gestellt und ein Loch öffnet sich uns für eine Reise zurück in der Zeit. Dem Reisende wird ein fremder Koffer ins Zimmer gestellt - schwangerer Mutterleib ist analytischer Blödsinn - ins Haus kommt ein Schrank, der nirgends passt. Schwerste Flügel haben diese Objekte, die gedanklich auch nur schwer zu bewegen sind. Wer überwindet also Narziss, wer fliegt vom verzwirbelnden Seil, wem reißt der SchleimFaden der Geduld, wer holt den faulen Apfel aus Evas Paradies?

Alle 'höheren' Menschen sind Sodomisten. Der schriftsprachliche Mensch findet gelegentlich Erlösung von sich, indem er sich mündlich der Erde annimmt. Er stopft sich für seine neue leibliche Seligkeit Scheiße ins Maul. Er sät nicht mehr und er erntet auch nicht, ihm fallen die Früchte schwer braun und faul mitten ins Gesicht. Der Sodomist ist ein Zeitreisender in die Vergangenheit: ein Dreckfresser der für etwas Schönheit schwer an sich arbeitet. Der Spiegel ist ihm eine Quelle des Lichts, er nimmt ihn von hinten und sieht darin nichts.

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