Mittwoch, 9. September 2015

De Sade

hält dem Menschen des Handels, der Waren, des Geldes, des Vertrags und der allgemeinen Schriftlichkeit, abstrakten Zeichen einen Spiegel hin und mensch Bürgerlein nennt die eigene Hässlichkeit darin abstoßend von sich nur 'Sadismus'. Analyse ist Idealismus, Gedankenfaulheit, Begeisterung für ein Jenseits der Begriffe, Falle und Irrtum, Irrsinn schmarotzender Übermenschlichkeit, wahnsinnig weite Körperlichkeit, MenschenRecht, Kopflastigkeit ohne Leib von Guillotinen gezeugt, Zersetzung des Leibes durch Fäulnis, Verlust der geraden organausgerichteten Sinnlichkeit.

Warum hat man de Sade nicht geköpft? Weil er tausend Köpfe hatte, tausend Nacken übergreifende neue Tugenden, tausend Texte dazu also vielleicht? Er hat nicht zufällig lange überlebt, sondern weil er unüberwindbar war der Phantasie bzw. der eitlen Einbildung, dem gebildeten Schwachsinn seiner Zeit. Er hat sich unfassbar gemacht, weil er nicht nur Spiegel der Zeit dem Bourgois war, sondern auch noch als dunkler Spiegelgrund dem Menschen das kommende Joch für der Menschheit Nacken, die Tugend der Zukunft hat gezeigt.

Zur immer siegreichen Gewalt und zur Niederlage der Tugend gehört bei de Sade im Denken und Schreiben die Sodomie. Blöd analytisch auf das schriftlich Begriffliche reduziert wäre das alles zusammen genommen Folge einer Fixierung mit Bezug auf die anal-sadistische Phase der Entwicklung des Einzelnen. Analyse ist das Geist-Los der Verdichtung. Fixierungen gibt es nicht! Die Entwicklung des Menschen läuft ab nach einem Programm, das vorgeschichtlich festgeschrieben ist. Die Geschichte selbst beginnt mit der Veräußerung von Sprache in deutlichen Zeichen. Mit Bild und Schrift beginnt das Bewusstsein. Es leuchtet auf und vergeht mit der Zeit, geht über in banale Farbigkeit und vergeht im ursprünglichen Dunkel. Auch die vollkommene Dunkelheit hat noch ihre Tugenden. Das ist es, was de Sade neben hohler Gewalt und verkehrter Sittlichkeit uns zeigt. Männlicherseits ist das einfach die Sodomie. Aber was ist die Tugend der Zukunft auf seiten des Weibes?

De Sade ist nicht an einer Lungenentzündung gestorben, sondern an ärztlicher 'Behandlung', einer Operation, die seiner Verlegung in die Finsternis eines letzten Verlieses vorausgehen sollte. Das Verschwinden des Kopfes war Eingeständnis, Zeichen eines Raubes der Lebendigkeit. Wozu noch leben, wenn einem der Stift genommen ist und das Leder der Vorhaut zum Beschreiben? Ist der Arzt nicht der geistreichste unter den mächtigen gebildeten gewalttätigen Onanisten.

Feigheit in den Romanen tritt da in Erscheinung, wo die Sodomie nicht allgemeine Tugend sein darf, wo der Held also noch nicht bereit ist für die Zukunft der Menschheit.

Was macht vornehm? Das steht schon im Zarathustra: leibliche Arbeit. Der Bauer ist reiner Adelsstand der Endzeit: er lebt von der eigenen Hände Arbeit, reibt Samen Blut und Schweiß hin auf der Erde Leib. Er weiß auch, dass Ernten rechtzeitig Abschneiden, Abtreiben heißt. Bei ihm fährt das Leben die Ernte ein, nicht der Tod.

Staatsgewalt ist das Übel der Übel. Lohn dieser Einsicht ist offensichtlich die  Erfahrung einer alles überwältigenden persönlicher Herzlichkeit. De Sade ist pure Herzlichkeit und die Sodomie ein Versprechen höchsten Glückes.

Da ist der letzte Feuerhund, der über die Erde geht. 'Gold haucht sein Atem und goldigen Regen ...' Das ist die Empfängnis der Erde Seele in des Menschen Seligkeit: das Gold ist der RD Innerstes und Unterleib '... das Herz der Erde ist von Gold'. Also sprach Zarathustra (Von großen Ereignissen).

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