De Sades ganzer Leib
Der sozial Vereinzelte tritt den asozialen Teamfähigen gegenüber, der Ausgestoßene den Abstoßenden, der Atheist der Kirche. Ihm tritt an die Stelle der verlogenen Empathie die Sinnlichkeit, was in den Romanen überzeichnet ist als Gegensatz boshafter unmenschlicher Grausamkeit - das ist die ungeschminkte Wahrheit der Empathie - und hemmungsloser Begierde - das ist die uns leider widerliche menschlich leibliche Wirklichkeit -. In welcher Biografie findet sich schon auch das positiv Leibliche auf Seiten de Sades? Frage an Leser. Auf die der einzigartigen Leiblichkeit entsprechende von außen und oberflächlich uns sichtbare kalte Sinnlichkeit wird aber ständig hingewiesen, sie jedoch nur als Mangel an Empathie bezeichnet. Empathie ist ein Sammelsurium von Theater-Affekten. Den Lesern de Sades, die sich von ihm abgestoßen fühlen, fällt anscheinend gar nicht auf, dass sie sich unter den teamfähigen Monstern befinden, für die Liebe und Mitleid in den Medien nur mehr stattfinden und die blutige Lust und Grausamkeit sich versteckt im eigenen Luxus und Konsum, der Hunger und Tod anderer, Fremder weit weg, geschuldet ist. Die kalte Sinnlichkeit und im Ansatz stecken gebliebene Leiblichkeit von de Sade zerstört Besitz und verschleudert alten Reichtum. Sie richtet sich auch gegen eine sozial bestimmte abstrakte auf bewusste Fortpflanzung noch gerichtete sinnbestimmte Körperlichkeit und verschleudert dagegen in sinnlos wütender Wollust einfach den Samen. Der Samen befreit auch die Zeichen des Wahns von der verlogenen Weihe: der Leib ist endlich wieder bei sich, wenn die Körper-Reste, Samen Blut Exkremente Schweiß die Zeichen jeder Heiligkeit bedecken, zum Zeichen seelischer Befreiung vom Krampf der katholischen Kirche wird auf Hostien ejakuliert und aufs Kreuz geschissen. Vielleicht. Da sind vielleicht auch den Verbrecher-Jägern die Zügel der Phantasie durch die Finger geglitten. De Sade verprügelt keine Frauen richtig - er legt sie ja nicht aufs kristliche Kreuz zum Missionarsfick -, sondern treibt sie voran zum aufrechten Gang um sich anschließend hinter ihnen zu erniedrigen. Daher auch der Rollentausch mit dem Diener, das erhöht den Grad der Selbsterniedrigung des sinnlich-leiblichen Mannes. Arschfick macht das Hirn frei und erledigt den durchsichtigen Geist. Sadisten gibt es nur auf der Bühne, auch der Bühne der Öffentlichkeit, und das sind ausschließlich die gesellschafts- und teamfähigen ordentlichen Repräsentanten des Systems: Ärzte Priester Politiker Richter Polizisten usw. Das sind die wirklichen Schweine. De Sade i s t physich vollkommener Leib, schön und stark in jeder Hinsicht und frei von falschem Geist und der hohlen Maske 'Gott'. Die Verlogenheit wird der Schrift zurückgegeben und auf die Bühne gestellt. Was ist schon Empathie und was das neuzeitliche Mitleid? Schein- und Bühnenaffekt. Der Mensch muss wieder ganzer Leib werden.
Asketisches Ideal und Erotik gehen zusammen wie brave Bürgerlichkeit und Kunst, Prügel und Hund. Dem bürgerlichen Schreiber kommt die Scheiße als Selbstzweck aus dem Maul. Er lässt sich ficken von Verleger Leser Mäzen, schriftlich steht ihm dabei nur das Schreibgerät. A. Armer Arschloch Arthur M. Mann.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen