Freitag, 23. Dezember 2016

Über-Führer

Vielleicht wollte Goethe uns mit seinem Kurzen, Miststück und ihrem Opfer 'Iphigenie' - bewusst oder unbewusst - sagen, dass jede vernunftbestimmte und staatsgetragene 'Menschlichkeit' verlogen oder schwachsinnig ist. Mehr noch: die Wahrheit, die das Stück uns vermittelt, ist, dass es gar keine Menschlichkeit gibt. Alles Sinnliche, Lebendig-Leibliche widerspricht dem 'Menschlichen' und ist aus dem Stück ausgeklammert. Alles zielt am und im Stück auf Vermehrung: Mehrung von Impotenz, Geist und Sinn, und Vermeidung von leiblichen Opfern. Waren- und wahre Hurerei: Liebe - Leib und Leid, die hinter dem Mythos stehende Wirklichkeit fehlen. Eine Aussage über einen Wert, der auf einem Fehler beruht, ist natürlich sinnlos. Was soll die gelehrte Interpretation. Deutsche Klassik ist die reine, absolute Sinnlosigkeit. Und wenn wir die 'Iphigenie' als Stück hohen Wertes und Höhepunkt der Klassik betrachten, dann deshalb weil auch wir wie der Beamte Goethe im Wohlstand leben und dessen blutige Grundlagen verdrängen und als Schmarotzer und Konsumtrottel der Warenwelt die schöne Lüge der Werbung so lieben. Iphigenie ist eine Werbung für das höfische Leben, tote Aufklärung und kalte Vernunft über dem unsichtbaren und lebendigen Leid der Masse der Menschen. Klassik steht in Deutschland für die Gedanken eines Bürgertums, das mit der alten Adelsherrschaft paktiert und als dessen Hure und Hund die Volksmasse ruhigstellen muss. Den Hungernden werden Ideale gepredigt, während man sie mit Knüppeln niederhält oder in den Krieg schickt. Klassik: perverse 'Menschlichkeit' im fremden Begriff der 'Humanität' geschönt auf die Bühne gestellt. 'Iphigenie auf Tauris': brutaler Mythos, entschärft uns als Utopie hingeworfen: überwerteter Geist, magerer Traum im Zuschauerraum, deutscher Idealismus: Märchenleben im Schlauaffenland. Die Klassik ist der schöne Lack über der romantischen Scheiße. Ovid mit seiner Tristia unter den Skythen war ehrlich und uns schon weit voraus auf Tauris. Die 'Iphigenie' ist ein Stück für die Literaturwissenschaft, für die Schule, ausschließlich zur Erbauung der Erzieher und zur Verblödung der Schüler. Goethe hat also der Iphigenie einerseits in einer kleinen Magd und großartigen Kindsmörderin den Kopf abschlagen lassen (das Todesurteil als Berater des Herzogs von Sachsen-Weimar unterzeichnet – die Magd wurde wirklich geköpft und wahrscheinlich hatten alle Riesen der Ein-Bildung dabei einen kleinen Orgasmus) als auch aus dem toten Schädel des jungen Fräuleins dann den 'menschlichen' Geist auf die Bühne abgetrieben oder für sie hervorgezaubert. Hitler und Goethe sind aus  e i n e m  Geist entstanden. Die Hitlerei hat sich mit mörderisch-schönen und feierlich-flüchtigen Bildern beworben, die deutsche Klassik hingegen sich niedergeschrieben für die ewige Blödheit zu der Vorschriften Grammatik und Rhetorik - und nicht andersrum - und dem Gefasel schöner toter verlogener Worte, Ästhetik, Lehre der Kunst, leere Humanität.

Aber was hat die Revolution in Frankreich hervorgebracht?: geistige Zwerge. Und wie hässlich sie sind, die Modekönige, verfressen auch und versoffen, Volk der Ratten bei Tolkien?

Und die Elfen?: sind daheim in den Wäldern, bei den Wölfen. So vornehm wie bescheiden: der Wolfsmann. So sehr sind die scheuen Wesen von Mitleid eingenommen, dass sie Bitten unmöglich widerstehen können und helfen - müssen, bis zum Untergang: was sonst ist wahre Liebe! Fliehen muss man sie, denn sie nimmt auch das Raubtier mit. Dahin treibt uns das Verlangen, wo Wölfe zahm werden und zu Hungern anfangen.

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