Vielleicht wollte
Goethe uns mit seinem Kurzen, Miststück und ihrem Opfer 'Iphigenie' - bewusst oder unbewusst - sagen, dass
jede vernunftbestimmte und staatsgetragene 'Menschlichkeit' verlogen
oder schwachsinnig ist. Mehr noch: die
Wahrheit, die das Stück uns vermittelt, ist, dass es gar keine
Menschlichkeit gibt. Alles Sinnliche, Lebendig-Leibliche widerspricht
dem 'Menschlichen' und ist aus dem Stück ausgeklammert. Alles zielt am und im Stück auf Vermehrung: Mehrung von Impotenz, Geist und Sinn, und
Vermeidung von leiblichen Opfern. Waren- und wahre Hurerei: Liebe - Leib und Leid, die hinter dem
Mythos stehende Wirklichkeit fehlen. Eine Aussage über einen Wert,
der auf einem Fehler beruht, ist natürlich sinnlos. Was soll die gelehrte Interpretation. Deutsche Klassik
ist die reine, absolute Sinnlosigkeit. Und wenn wir die
'Iphigenie' als Stück hohen Wertes und Höhepunkt der Klassik
betrachten, dann deshalb weil auch wir wie der Beamte Goethe im
Wohlstand leben und dessen blutige Grundlagen verdrängen und als
Schmarotzer und Konsumtrottel der Warenwelt die schöne Lüge der
Werbung so lieben. Iphigenie ist
eine Werbung für das höfische Leben, tote Aufklärung und kalte
Vernunft über dem unsichtbaren und lebendigen Leid der Masse der Menschen. Klassik steht in
Deutschland für die Gedanken eines Bürgertums, das mit der alten
Adelsherrschaft paktiert und als dessen Hure und Hund die Volksmasse
ruhigstellen muss. Den Hungernden werden Ideale gepredigt, während
man sie mit Knüppeln niederhält oder in den Krieg schickt. Klassik: perverse
'Menschlichkeit' im fremden Begriff der 'Humanität' geschönt auf
die Bühne gestellt. 'Iphigenie auf
Tauris': brutaler Mythos, entschärft uns als Utopie hingeworfen:
überwerteter Geist, magerer Traum im Zuschauerraum, deutscher
Idealismus: Märchenleben im Schlauaffenland. Die Klassik ist
der schöne Lack über der romantischen Scheiße. Ovid mit seiner
Tristia unter den Skythen war ehrlich und uns schon weit voraus auf Tauris. Die 'Iphigenie'
ist ein Stück für die Literaturwissenschaft, für die Schule, ausschließlich zur
Erbauung der Erzieher und zur Verblödung der Schüler. Goethe hat also
der Iphigenie einerseits in einer kleinen Magd und großartigen Kindsmörderin den Kopf
abschlagen lassen (das Todesurteil als Berater des Herzogs von
Sachsen-Weimar unterzeichnet – die Magd wurde wirklich geköpft und wahrscheinlich hatten alle Riesen der Ein-Bildung dabei einen kleinen Orgasmus) als auch
aus dem toten Schädel des jungen Fräuleins dann den 'menschlichen'
Geist auf die Bühne abgetrieben oder für sie hervorgezaubert. Hitler und Goethe
sind aus e i n e m Geist entstanden. Die Hitlerei hat sich mit
mörderisch-schönen und feierlich-flüchtigen Bildern beworben, die deutsche Klassik hingegen sich niedergeschrieben für die ewige Blödheit zu
der Vorschriften Grammatik und Rhetorik - und nicht andersrum - und dem Gefasel schöner
toter verlogener Worte, Ästhetik, Lehre der Kunst, leere Humanität.
Aber was hat die Revolution in Frankreich hervorgebracht?: geistige Zwerge. Und wie hässlich sie sind, die Modekönige, verfressen auch und versoffen, Volk der Ratten bei Tolkien?
Und die Elfen?: sind daheim in den Wäldern, bei den Wölfen. So vornehm wie bescheiden: der Wolfsmann. So sehr sind die scheuen Wesen von Mitleid eingenommen, dass sie Bitten unmöglich widerstehen können und helfen - müssen, bis zum Untergang: was sonst ist wahre Liebe! Fliehen muss man sie, denn sie nimmt auch das Raubtier mit. Dahin treibt uns das Verlangen, wo Wölfe zahm werden und zu Hungern anfangen.
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