Groß' Annahmen zum Eigenen und Fremden
sind ein Produkt unserer Zeit und betreffen nicht das Kind, sondern
den Erwachsenen. Das Eigene und das Fremde sind zwei Sichtweisen des
Leibs und treten erstmals nach zigtausend Jahren selbstbewusster
Männerherrlichkeit rein menschlich und vollkommen seelenlos
gegeneinander an.
Sadismus ist also ein Denken, das auf
vergangene Gewaltherrlichkeit der Männer gerichtet ist und
Masochismus ist nichts als die gelehrte Rechtfertigung dieses
Rücksturzes in eine kriegerische Zeit. Sadismus ist Raub und
Aneignung des Fremden und Masochismus schafft die rechtlichen
Grundlagen dafür. Das Eine ist also Betrug und das Andere Vertrag
und Lüge.
Sadistisch ist nicht das Kind, das
erwachsen sein will, sondern der Erwachsene ist es mit seinem
kindischen GewaltWunsch der die männliche Linie hinab steigt.
Der Gegensatz von Eigenem und Fremdem
ist offensichtlich äußerer gesellschaftlicher Natur und die
Verschränkung von Sadismus und Masochismus geht dem Gegensatz als
widermenschliche Gewalttat voraus.
Ein-Fühlung ist nicht Bindung, sondern
Trennung und erst damit Grund einer Sexualität die auf sich selbst
bezogen ist und zum absoluten Eigenen und Fremden wird.
Die Analerotik verbindet das Eine mit
dem Andern bei Fehlen der leiblichen Basis. Die Erotik verbindet Mann
und Frau nicht, sondern trennt sie. Daraus resultiert dann – von
Groß richtig beschrieben – die aktive weibliche und die passive
männliche Homosexualität.
Groß vernichtet die Analyse, indem er
Mann und Frau (in sich und allen Leibesdingen) gleichberechtigt denkt. Die Abschaffung der
Geschlechterhierarchie führt die Begriffe der Analyse zusammen bis
zur Verschmelzung in Lächerlichkeit.
Nachdem die Einsamkeit gesetzt ist als
ein alles Menschliche konstituierendes Moment, wird automatisch eine
homosexuelle Komponente des Lebens- und Sexualtriebs für beide
Geschlechter von Groß vollkommen richtig nach ihrer Wirkung erkannt.
Die Einsamkeit ist der Löser der Gewalt in der Konsumgesellschaft.
Unter erneuter Einbeziehung der Gewalt
fällt die Analyse mit dem ihr gemäßen menschlichen Verhalten aber
zurück auf das Patriarchat und stellt eine Beziehung der
Geschlechter her, die sowohl unmenschlich falsch ist, als auch verkehrt
verstanden wird.
Groß verdichtet, was zeitlich - vor
allem allgemein historisch - nicht zusammengehört.
Die Verdichtung führt zum Wahn. Wahn
ist ein Text, in dem der Irrtum der genannten Verdichtung im Rahmen
unserer gesellschaftlichen Möglichkeiten erklärt wird. Die
Erklärungen sind ein medizisches oder philosophisches Wahngebilde
und vollkommener Unsinn oder Lüge. Philosophie, Psychiatrie,
Analyse, Religion sind in dieser zeitlosen Verdichtung gefangene
Lügengebilde, sie sind eine nur im Schmarotzertum oder breit in der
Konsumgesellschaft mögliche gelebte Lüge.
Die Erdichtung dessen, was wir Wahnsinn
nennen, setzt also voraus:
- absolute Veräußerung von Gewalt
- Vereinzelung (Schein der Freiheit)
- aktive weibliche und passive männliche Homosexualität (urmenschliches Sein)
- erneute gewaltsam Herstellung des heterosexuellen Kontakts (Fortpflanzung und Erhaltung der äußeren Gewalt, Produktion)
Die Homosexualität ist so wie Groß
sie beschreibt 'natürlich' menschlich und verwirklicht sich in
gewaltfreier Auflösung der Vereinzelung/Einsamkeit. Die Auflösung
erfordert eine radikale Veränderung der gesellschaftlichen
Wirklichkeit. Für die Heterosexualität müssen nach Ausschluss der
Gewalt Mann und Frau noch Aktiv und Passiv tauschen. Damit löst sich
der schriftliche Wahn des gesellschaftlichen Seins auf und wirklich
natürlich-menschliches Sein wird möglich.
Natürlich-menschliches Sein erfordert
eine von Zwang und Herrschaft, Hierarchie befreite Produktion.
Die Wahn-Produktion ist
Wünsche-Produktion. Die zum Urmenschlichen hin wieder befreite
Produktion kümmert sich um den Leib und seine Bedüfnisse und
Möglichkeiten. Wünsche sind auf das Reich der äußeren Zwänge
beschränkt, richten sich aus an Geldnot und Maschinengewalt. Die
Möglichkeiten des Leibs aber sind unendlich. Leibliche Geichheit
erst macht frei und öffnet den engen blöden Wunschhorizont.
Der Sadismus und der Masochismus
bezeugen als lose Momente der menschlichen Sexualität die
Sinnlosigkeit der Rückkehr zum viehischen Geschlechter-Verhältnis
im Patriarchat. Über- und Unterordnung gehören wesentlich zur
sozialen Organisation der Vieh-Herde. Die Zeichenproduktion, die
ihren Ausdruck auch findet in der Höhlenmalerei, überschreibt als
hierarchisches Prinzip oberflächlich die Beziehung der Menschen und
prägt zum Schein wesentlich auch das Verhältnis der Geschlechter.
Dem Schein dieser 'Natur' fehlt beim Menschen die Wirklichkeit, die
sinnvolle Wirkung. Über- und Unterordnung bringen keinen
Überlebensvorteil.
Wenn sich der Produktionsapparat
verselbständigt, sind Sadismus und Masochismus nur mehr exotische
Rückläufer und spielerischer Verweis auf die 'lebendigere'
Vergangenheit. Das ist der wahre Grund des romantischen Traums, den
die Klassik im Konsum-Wahn verkennt. Im Konsum-Wahn des Bürgers wird
der patriarchale Blödsinn auf die Bühne gestellt scheinbar
wirklich. Der Bourgois lebt im Wahn.
Wenn man aus seinem Denken den
überlebten hierarchischen Wahn streicht, dann bleiben die von Groß
geschilderten freien Persönlichkeiten übrig. Zur Freiheit gehört
nun die Gleichgeschlechtlichkeit. Die Unsinnigkeit der 'biologischen
Zweckmäßigkeit' verkennt Groß, indem er die Auflösung ins
Gleichgeschlechtliche eine Überkompensation nennt. Die Überwindung
alter Herrschafts- und Unterwerfungsverhältnisse wird so von Groß –
ein Zugeständnis an die Lügner und Betrüger Freud Jung und Bleuler
– gegen die eigenen Ausführungen zurückgenommen.
Die Einsamkeit bei Groß ist Folge
perverser äußerer Machtverhältnisse, die allein Grund des Sadismus
und Masochismus sind. Die R Lösung von der Einsamkeit führt nicht
zurück in die Beziehungsfalle der ehelichen Nützlichkeit, sondern
zur bedingungslosen Hingabe des Einen an den oder das Andere. Unter
der ehelichen Beschränkung wird das Ideal menschlicher Beziehung zur
exotischen Rückinversion. In Wirklichkeit aber sind alle Menschen
leiblich schwach oder einfach und natürlich verwundbar, nackt. Also
verlangt die R Lösung gesellschaftliche Verhältnisse, die jedem die
bedingungslose Hingabe erlauben. Man soll sich seiner Liebe nicht
schämen müssen.
Der Koitus ist eine Störung des
unbedingten Gebens und Nehmens und das sich daraus ergebenden Kind
bringt einen Rückfall in die Einsamkeit. Die falsche Antwort folgt
sofort auf den Rückfall: und bringt die äußere Gewalt in die
Beziehung ein, und macht die gemeinsame Einsamkeit der Ehe. Über-
und Unterordnung von 1 und 0 ist die kleinste Vergewaltigungseinheit.
Im Sexuellen ist Einheit das Gegenteil von Gleichheit: Einheit
bedeutet Ehe und Vergewaltigung, Gleichheit aber ist ungebundene
regellose Freiheit. Auch die Güter-Produktion ist vom Geldwert
befreit natürlich regellos. Die Regellosigkeit ist nicht Chaos,
sondern ist wertfreie Ausrichtung des Handelns an den Bedürfnissen
des eigenen und fremden Leibes.
Otto Groß war weder ein blöder Analytiker noch gerissener Anarchist. Er war über wunden Zeiten voraus Gezerr Fleisch und R Löser wordener Dank, der nichts kostet außer Wunsch und Wollust, Liebesleid.
Otto Groß war weder ein blöder Analytiker noch gerissener Anarchist. Er war über wunden Zeiten voraus Gezerr Fleisch und R Löser wordener Dank, der nichts kostet außer Wunsch und Wollust, Liebesleid.
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