Dienstag, 3. Januar 2017

Revolution

Die Veräußerung der Oberfläche des Körpers an die Welt der Zeichen, Waren-, Maschinenwelt erst erzeugt Autorität. Das Subjekt der Zeichen (geschichtlich zuerst der Mann) hat als Autorität selbst Zeichencharakter. Der Leib unter der Oberfläche musste dazu verfremdet werden. Verfremdet oder verheimlicht ist er gegenüber der Oberfläche doppelt entstellt. Alle menschlichen Organe haben eine Funktion, die sie veräußert. Diese Funktionen müssen in der Welt draußen verkehrt, gedreht und gegen das leibliche Innere wieder gewendet werden. So entsteht unser 'Unbewusstes'. Nach dieser einen Drehung und Wendung hat der Leib plötzlich die äußere Not bei sich und produziert die sinnlosen Wünsche des Heils. Jeder Wunsch ist ein Zeugnis der autoritären Pest mit ihrer leiblichen Krankheit.

In dem Augenblick, wo das Fleisch unter dem autoritären Schein der Wissenschaft sachlich als Körper betrachtet werden darf, kann der Leib unter der Sachlichkeit unheimlich lebendig werden. Da endet die Verheimlichung und die Verfremdung kann aufgehoben werden.

Wir sind soweit, dass die Ware unter dem Lack der Schönheit tatsächlich sich in Scheiße verwandelt. Wenn man den geschmacklosen Lack erkennen und beseitigen will muss man vielleicht tatsächlich erst einmal bewusst sich zur Scheiße bekennen. Wer einmal Scheiße gefressen hat, dem stinkt alle Schönheit und seine Organe fangen wieder zu leben an.

Die Oberfläche der Welt muss durch die Werkzeuge des Leibes organisch werden. Und der Mensch darf nicht länger Subjekt der Werkzeuge sein, die ihm gewaltsam widersprechen. Ein Werkzeug ausschließlich im Widerspruch zum Leib nennt man Waffe.

Kann man diese Revolution des Autoritären, Zeichenhaften, Gewalttätigen hin zum widernatürlich menschlichen Leib erzwingen? Nein, die Menschenmasse selbst muss die Not erzeugen, die das widernatürlich Menschliche uranfänglich erzeugt hat. Menschen müssen vielleicht erst Menschen sicher aber halt Scheiße fressen.

Das was wir heute als 'natürlich' auf uns beziehen ist die äußerste Veräußerlichung unserer Oberfläche und die Verewigung der leibwidriger Lüge in Gesetz. Leibliche Bedürfnisse werden schriftlicher Wunsch, der künstlich befriedigt werden darf und muss. Da wird der Mensch endlich mit dem Notwendigen zwangsgefüttert. Diese Notwendigkeit enthebt das Gesetz jeder Verpflichtung zum Sinn, und da blättert der Lack, das Gesetz wird zum losen Heft, das durch den Schmutz, der an ihm klebt, dem Leib wieder anhaften kann.

Vielleicht hat der Mensch heute zum erstenmal unterhaupt diesen unheimlich lebendigen Leib und zweifellos ist das, was wir jetzt noch 'Perversion' nennen, der Anfang der Revolution.

Das Leibliche will an die Macht.

Da helfen keine Grenzen und Beschränkungen mehr. Natürlich ist der Widerstand der langsam absterbenden Oberfläche mächtig. Grenzen sind absolut erforderlich, denn das System muss zum Platzen gebracht werden für den totalen Sieg des Leiblichen und die endgültige Vernichtung des Scheinbaren.

Was ist Würde? Doch nichts als der höchste Schein göttlicher Heiligkeit. Die Würde, festgeschrieben im Gesetz, reiner Begriff ohne Inhalt, der auffliegende Stolz, den nicht einmal mehr die Falschheit am Boden hält, ist der letzte Halt der Autoriät. Würde und Schönheit in der Werbung sind einerlei und ohne bestimmten Gehalt. Unbestimmt sind nur Asche und Scheiße. Asche gehört zum verbrannten Leib und Scheiße ist das, was vom Leben übrig bliebt. Die große Würde macht endlich den falschen Körper zum Drecksack kurz vorm Platzen.

Eure Grenzen zieht hoch, wie die Hosen vor der Not, sie werden nicht fallen, sondern vom Dreck überschwemmt.

Übrigens: Beim buddhistischen Scharlatan wird der Leib selbst zum Wunder und sogar die Scheiße noch heilig. Soviel Blödheit verdient keinen weiteren Gedanken.

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