Was fehlt uns zum Abschluss des
Allzuwidermenschlichen noch? Für den Menschen hat die Erde ein
schwarzes Notloch bekommen, das ihn unaufhörlich und unwiderstehlich
einsaugt. Der Mensch ist mehr noch als das verkehrte Tier. Er ist
mehr noch als das Tier im Spiegel. Er ist mehr als das unter fremden
Zeichen, in WarenWelten und Geldschein ihm eingebildete bestialische
Subjekt. Er ist mehr als nur Romantikmaschine mit perverser Räderei.
In der Krise trifft alle der allzuwidermenschliche Vorschein urmenschlicher Wirklichkeit. Da trifft aberendlich den Menschen der
unbändigste Trieb gegen jede Verzweiflung.
Was den Grund der koitalen Langeweile
ausmacht, ist hinreichend erörtert: Die Abtreibung war’s, die
Entmachtung des Tiers im Männchen, das Ende der sinnreichen
Fortpflanzung, das Ende viehischer Rollen der Verkehrspflicht, die
Umpflanzung des lebendigen tierischen Unwesens in das eine Wesen der
urmenschlichen Gegenwart. Das eine Wesen erfüllt sich, aber
befriedigt sich am andern nicht. Es vermehrt durch Erfüllung sich, es will die geschlechtliche Vermehrung nicht.
Der wahre Mensch ist das Wesen, das sich
nicht fortpflanzt, sondern immer nun mehr wird. Gern würde er sich
mit seinen Waren fort- und hinaufpflanzen. Der Übermensch: ist ein
Fortschritt zum Schein, kreatives Sein mit einem Haken für die
Dummen, eine Scheinlösung, mit der man Leser fangen muss, weil man
sie nicht weglassen kann.
Der Mensch ist ein Pflanze mit
Dauertrieb und der ewigen Blüte der Wollust. Der Trieb ist die
verlorene Männlichkeit, der abgefallene Ast, dessen Dürre ewig
saugend ins Erdreich greift. Der Trieb ist eine dauernd hungrige
Wurzel, die der Blüte der Wollust Nahrung und warme Farbe gibt und
Reize allen Sinne verleiht. Die Wollust ist die im Wesen Mensch
zuhöchst gestellte Weiblichkeit und der Trieb dahin ein Gebot der
natürlichsten Not. Hunger hat den Menschen gezeugt und ein
LustHunger hält das Wesen zusammen, wenn das viehische Geschlecht es
auseinandertreibt. Nicht die sexuelle Differenz ist unmittelbar
Ursache des Triebs: das wäre ein Schluss im Kreis. Der Hunger
verschlingt die Differenz, um die Wollust zu füttern.
Der Mensch pflanzt sich fort, wenn er
satt und faul ist, die Befriedigung dabei ist nur Nachspeise. Die
Nachspeise ist die Prinzessin der satten Langeweile. Die kommt ins
Spiel, wenn die Königin keine Befriedigung mehr will.
Wo ist Gott hin in der Krise, der mächtige Geist, der alles, was sich rührt und uns anrührt, ums rechte Leben betrügt, uns um die wahre leibliche Liebe darin auch bescheißt?
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