Mittwoch, 4. Januar 2017

Allzuwidermenschlich

Was fehlt uns zum Abschluss des Allzuwidermenschlichen noch? Für den Menschen hat die Erde ein schwarzes Notloch bekommen, das ihn unaufhörlich und unwiderstehlich einsaugt. Der Mensch ist mehr noch als das verkehrte Tier. Er ist mehr noch als das Tier im Spiegel. Er ist mehr als das unter fremden Zeichen, in WarenWelten und Geldschein ihm eingebildete bestialische Subjekt. Er ist mehr als nur Romantikmaschine mit perverser Räderei. In der Krise trifft alle der allzuwidermenschliche Vorschein urmenschlicher Wirklichkeit. Da trifft aberendlich den Menschen der unbändigste Trieb gegen jede Verzweiflung.

Was den Grund der koitalen Langeweile ausmacht, ist hinreichend erörtert: Die Abtreibung war’s, die Entmachtung des Tiers im Männchen, das Ende der sinnreichen Fortpflanzung, das Ende viehischer Rollen der Verkehrspflicht, die Umpflanzung des lebendigen tierischen Unwesens in das eine Wesen der urmenschlichen Gegenwart. Das eine Wesen erfüllt sich, aber befriedigt sich am andern nicht. Es vermehrt durch Erfüllung sich, es will die geschlechtliche Vermehrung nicht.

Der wahre Mensch ist das Wesen, das sich nicht fortpflanzt, sondern immer nun mehr wird. Gern würde er sich mit seinen Waren fort- und hinaufpflanzen. Der Übermensch: ist ein Fortschritt zum Schein, kreatives Sein mit einem Haken für die Dummen, eine Scheinlösung, mit der man Leser fangen muss, weil man sie nicht weglassen kann.

Der Mensch ist ein Pflanze mit Dauertrieb und der ewigen Blüte der Wollust. Der Trieb ist die verlorene Männlichkeit, der abgefallene Ast, dessen Dürre ewig saugend ins Erdreich greift. Der Trieb ist eine dauernd hungrige Wurzel, die der Blüte der Wollust Nahrung und warme Farbe gibt und Reize allen Sinne verleiht. Die Wollust ist die im Wesen Mensch zuhöchst gestellte Weiblichkeit und der Trieb dahin ein Gebot der natürlichsten Not. Hunger hat den Menschen gezeugt und ein LustHunger hält das Wesen zusammen, wenn das viehische Geschlecht es auseinandertreibt. Nicht die sexuelle Differenz ist unmittelbar Ursache des Triebs: das wäre ein Schluss im Kreis. Der Hunger verschlingt die Differenz, um die Wollust zu füttern.

Der Mensch pflanzt sich fort, wenn er satt und faul ist, die Befriedigung dabei ist nur Nachspeise. Die Nachspeise ist die Prinzessin der satten Langeweile. Die kommt ins Spiel, wenn die Königin keine Befriedigung mehr will.


Wo ist Gott hin in der Krise, der mächtige Geist, der alles, was sich rührt und uns anrührt, ums rechte Leben betrügt, uns um die wahre leibliche Liebe darin auch bescheißt?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen