Wenn die Menschen anfangen, Menschen zu fressen, gibt es keine Solidarität mehr, noch nicht einmal im Kleinen und Kleinsten. Es gibt das vormals harmlose Freundschaftsgefälle nicht mehr. Es gibt schon lange vorher keine Liebe mehr. Liebe war immer ein Warenverhältnis, wesentlich bestimmt von Enttäuschung und Langeweile. Wozu noch Geschlechtsverkehr, wann man auch sonst nicht satt werden kann. Wer will schon satt und taub und lustlos und müde sein, wenn Wachsamkeit überlebensnotwendig ist. Wollust will nicht Sättigung, sondern sich leiblich für ein mehr noch an Wollust zerreißen. Wollust will das ewig brennende Ungenügen, das sich steigert und immer tiefere Gräben der Unlust überschreitet. In seiner Wollust will der Mensch sich selber fressen. Wollüstig saugt er den Ekel am andern in sich hinein. Ekel ist die Angst, die am andern bis zur Unerträglichkeit gesteigert ist. Da sinkt es durch mich hin, wo ich nichts mehr tragen will. Wo der Wille in mir endet, wird die Angst des andern zur höchsten Lust. Das ist Wollust.
Jede Art von Idealismus ist falsches Bewusstsein. Wie kann man da sich 'bewusst' gegen den hierarchischen Warenzusammenhang wenden, der Grund jedes Bewusstseins und aller Ideale ist. Das Spektakel der 'falschen Ideen', des geäußerten Bewusstseins beginnt nicht erst mit der industriellen Revolution, sondern beim Höhlenmenschen. Die Höhle ist nicht das Innere sondern das nächste Äußere über dem Schädel. Die Höhle als Schädeldach sondert sich vom Kopf ab. Da bildet sich neben einem der allgemeine Schädel des andern, der das Bewusstsein zu tragen hat. Da entsteht ein Gesellschaftskörper neben dem Leib. Dieser Körper verkehrt die leibliche Ordnung. Mit der industriellen Revolution wird die leibliche Unordnung lediglich zementiert. Es entsteht das Unbewusste mit der den Leib von Organ zu Organ durchwandernden chronischen Krankheit. Heilung ist chemische Fixierung der Krankheit. Kein Medikament heilt, sondern verewigt nur das leibliche Leid zugunsten der gesellschaftlichen 'Gesundheit'.
Wenn der große Hunger kommt, wird also nicht nur Mensch Mensch fressen. Der Leib wird zugleich wieder frei, absolut jede Ordnung wird dafür zerschlagen.
Ein Leben ist schwer zu ertragen, will man für sich jede Ordnung zerschlagen und nur um das Denken zu befreien, der Warenlust und der anarchischen Wollust entsagen. Wie aber sollte sonst dies Schreiben möglich sein.
Revolution und Utopie verkennen, dass auch – oder vor allem – das schönste Ideal nur ein Warenwunsch ist. Die gelebte Utopie ist so unerträglich langweilig, dass das 'befreite Selbst' und 'bewusste Subjekt' am Ende sich noch die leibliche Revolution wünschen zur Befeiung einer 'edlen' Seele aus dem Leib. Den Utopisten ist der Leib eine unheilbare chronische Krankheit und der Selbstmord konsequenterweise das einzig wahre Heil. Idioten aller Länder vereinigt euch. Erlöst mich doch von eurer Krankheit und schert euch heim ins Reich.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen