Donnerstag, 20. Oktober 2016

Wunsch und Wollust

Der Verliebte hält das Opfer seiner Verliebtheit für vollkommen einzigartig. Objektiv betrachtet hat die Liebe mit ihrem konkreten Gegenstand so wenig zu tun wie der Geldwert mit einer besonderen Ware. Die Liebe ist also rein und rein gar nichts wert ohne das Wechselspiel des Tauschhandels. Nur im Wandel offenbart sie sich. Ihr Bestand ist nur Langeweile. In der Bewegung hat sie auch ihr Objekt im Versteck. Da wird sie zum Messer eines in den Himmel gehobenen Schatzes. Vom Schatz wird man betrogen, denn im Sack und auf der Bank hat er keinen Bestand. Der Gegenstand zerfällt einem unter der Hand, im Ehesack fault der Leib, schwindet im Alter da ohnsinnig hin. Über die Bank geht die Liebe von Hand zu Hand, wird zu Schuld und ihr Vermögen wird Traum, der im Jenseits der Eitelkeit von andern ausgelebt wird.

Die Begierde hingegen hat ein konkretes Objekt und geht ohne es nicht. Für sie zählt die Ware mit ihrem geldwerten Kern und der schönen Oberfläche nicht. Sie braucht das Versprechen der Begierde des andern in den Symbolen seiner Leiblichkeit. Der Starke begehrt wollüstig jeden starken Körperteil und der Schwache am andern die eigene Schwachheit.

Begierde hat ein besonderes Objekt am Leib des andern in Wirklichkeit. Die Liebe ist Selbstsucht, sie braucht den andern in Wahrheit nicht.

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