Das unterscheidet die Euphorie von
der wahren Begeisterung: die Euphorie ist eine Ausscheidung des fremden
Leibs, die das Subjekt der Begeisterung selbst zur Ausscheidung macht,
zum exkrementalen Einheitsbrei, der nur mehr blubbert und gluckst, die
wahre Begeisterung ist eine Wahrnehmung des fremden Lebens, die dessen
leibliche Äußerungen sich zu eigen macht, sie verschlingt zur Erhöhung
der eigenen. Die euphorisierte Masse betet an und opfert sich, sie ist
im leiblichen Untergang, sie ist wandelnder Leichnam, bürgerliche
Menschlichkeit auch, macht ekelerregende Geräusche und stinkt. Die wahre
Begeisterung ist Befriedigung, die sich am andern erarbeitet. Sie nimmt
durch den andern nur die leibliche Wahrheit, mehr noch: die
urmenschliche Wirklichkeit, in sich auf. Die Euphorie hebt ihr Objekt
über sich hinaus, erhöht es ins Jenseits der Unmenschlichkeit. Die
Begeisterung dringt über die Äußerungen des andern in ihn ein und
vereinigt sich mit ihm im Sprachleib. Da wird nicht zwischen üblem Leib
und reinem sprachlichen Übersinn oder Unsinn geschieden, sondern die
Sprache wird Ort der Ausscheidungen, die Sinne an Sinne, Leben an
lebendigen Leib, unter Leib liebend sich dem andern mit
Wort-Ausscheidungen aufbindet.
Kunst ist ein Tauchen in Fremder auf Scheidung, Kritik sich Bloßscheißen. Kritik fängt Leser mit leerer Euphorie. Begeisterung taucht das Schreiben in sich rein.
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