Montag, 24. Oktober 2016

Begeisterung

Das unterscheidet die Euphorie von der wahren Begeisterung: die Euphorie ist eine Ausscheidung des fremden Leibs, die das Subjekt der Begeisterung selbst zur Ausscheidung macht, zum exkrementalen Einheitsbrei, der nur mehr blubbert und gluckst, die wahre Begeisterung ist eine Wahrnehmung des fremden Lebens, die dessen leibliche Äußerungen sich zu eigen macht, sie verschlingt zur Erhöhung der eigenen. Die euphorisierte Masse betet an und opfert sich, sie ist im leiblichen Untergang, sie ist wandelnder Leichnam, bürgerliche Menschlichkeit auch, macht ekelerregende Geräusche und stinkt. Die wahre Begeisterung ist Befriedigung, die sich am andern erarbeitet. Sie nimmt durch den andern nur die leibliche Wahrheit, mehr noch: die urmenschliche Wirklichkeit, in sich auf. Die Euphorie hebt ihr Objekt über sich hinaus, erhöht es ins Jenseits der Unmenschlichkeit. Die Begeisterung dringt über die Äußerungen des andern in ihn ein und vereinigt sich mit ihm im Sprachleib. Da wird nicht zwischen üblem Leib und reinem sprachlichen Übersinn oder Unsinn geschieden, sondern die Sprache wird Ort der Ausscheidungen, die Sinne an Sinne, Leben an lebendigen Leib, unter Leib liebend sich dem andern mit Wort-Ausscheidungen aufbindet.

Kunst ist ein Tauchen in Fremder auf Scheidung, Kritik sich Bloßscheißen. Kritik fängt Leser mit leerer Euphorie. Begeisterung taucht das Schreiben in sich rein.

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