Mittwoch, 13. Januar 2016
Krebs in alle Ewigkeit
Nicht das Maschinelle der Körperlichkeit steht für die Krebserkrankung; das Maschinelle ist nur die Bösartigkeit des Funktionellen, die den Körper analysiert und zerlegt (nebenbei den Leib zerreißt). Der dauerhafte Einbau des Leibes in die Textmaschinen beispielsweis lässt den leiblichen Lebensrest sinnlos wuchern. Das Krebsleiden oder -leben selbst ist nicht bösartig, sondern der Überbau der Gesellschaftsmaschine: sie allein treibt der ‚Trieb‘ an. Der ‚Trieb‘ gehört zur Arbeitssteilung. In ihr erfolgt triebhaft die maschinelle Zerreißung des Leibs. Der Mensch ist entartet von Natur aus, kennt keinen Trieb, nur die Macht der Wollust. Das ist nicht Hierarchie und Maschinenmacht. Wollust für sich macht gleich. Die Entartung wird durch die Arbeitsteilung Entfremdung, das Fremde wird Bosheit und die Lust wird perverser ‚Trieb‘. Ruhm und Ewigkeit: 'übermenschlich' ist kranken Hirnen nur die Krebskrankheit für sich, der Rest, den die Entfremdung hinter sich lässt. Warum sind heute nicht alle Menschen krank? Wachstum ist natürlich leiblich. Es gibt Lebensmittelkonsum und natürlich leibliche Veränderung. Erst der reine Warenkonsum und die durch ihn und die Arbeitsteilung bedingten widerlichen Veränderungen des Leibes machen krank. Der Arme hat die Waren nicht und der Reiche arbeitet nicht; dazwischen liegt die Krankheit. Krebs gehört zur Hoffnung des Kleinbürgers. Krebs ist die letzte der Plagen in Pandoras Büchse. Das Wunschprinzip und der Warenkonsum unterdrücken das Leibliche. Die Nichtung des Leiblichen erst hat die Entfremdung zur Folge. Das Geschwür ist neuer Fremd-Körper, der Niederschlag zur weiten Körperlichkeit. Die vier Hauptfiguren in den '120 Tagen' sind nicht nur Feuer, Messer und Gift, die Mittel ärztlicher Behandlung der Krebskrankheit, sondern selbst auch die tödliche Krankheit. Es fehlt der Akt der Gewalt im Text. Dieser selbst ist eine Mischung aus Wollust und Körperleid. Die Wollust ist vom Trieb zu sondern. Der Trieb ist Antrieb der Maschinen; und dahin gehört auch allein und rein die Gewalt. Die Gewalt steckt also im Schloss, nicht in den Menschen. Die Geschwüre leben ewig und kehren nach Paris zurück. Die Krebskrankheit folgt der bürgerlichen Gesellschaft wie Ruhm und Ewigkeit den Seelen und Engeln, die im höchsten Geist und Wesen der Maschine sind. Seele ist Maschinen- und Idiotenherrlichkeit und Glaube Gewissen ohne Wissen und Insektion des Körpers bis zum Stumpfsinn. Uns bleibt der TextKäferLeib; darum fallen wir auch gelegentlich auf die Predigten von der Einheit Wollust – Gewalt herein. Feuer-Messer-Gift: die heiligen drei Könige der Christenheit. Die el-Aksa-Moschee über dem 3. Tempel: symbolhaft: ein Krebsgeschwür auf dem Leib der lebendigen Erde. Unheilbar krank ist der Moslem, will Seligkeit in der Wüste. Die Erde will nicht verwüstet sein, hat Gegenwart und nicht Ewigkeit. Schenkt den Gläubigen die 'Seligkeit' und - zäunt sie ein. Heilung muss das 'Heil' abschütteln, geht nur ohne Autorität, ohne Lehre, ohne Glauben, ohne Ordnung, ohne Staat, ohne Maschinen, ohne Gewalt - ohne Gift, Feuer und Messer - und ganz ohne reine Liebe. Es gibt keine Lösung oder RLösung. Heilung erspürt manchmal der Leib, wenn er jung ist und ganz: dies Wissen um die leibliche Wirklichkeit und Gesundheit bleibt. Am wenigsten vertragen sich Überzeugung und Bescheidenheit. Man muss vielleicht von Natur aus bescheiden sein. Bescheiden im Geist? Der Leib erzählt, er kennt keine Logik, er zählt nicht. Was ist schon B Deutung? B: erlogene Subjektivität, Souveränität: Wille - zum Untergang.
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