Donnerstag, 27. August 2015

Lust und Leid

Bei der Liebeskrankheit oder Depression verwandeln sich alle positiven Leibsgefühle in kleine Erinnerungen, hohle Wünsche, äußerlich geheftet an Waren, die man sich entweder leisten kann oder nicht. Ist man hinsichtlich der Bewertungs- oder Zahlungsmittel flüssig, wird die in den WarenRaum hinein veräußerlichte Begierde zum heiligen Geist, euphorischen Rausch der Gedanken. Ist man weniger flüssig, dann wird die Begierde in der äußeren Not zur Verzweiflung. Das Handeln des Liebenden oder Depressiven als Subjekt des WarenStrömens nennt der analytische Unverstand übrigens Zwangskrankheit.

Liebende sind also genauso leicht zu ‚heilen‘ wie der Depressive. Die Begierde muss nur wieder rein werden. Wir brauchen eine Tugend der Reinheit, die Reinigung der tiefen Wollust. Was aber macht die Wollust rein im Leib? Wie heißt dies letzte Joch? Wie geht die Tugend gleich noch, die der Menschheit doch angewachsen ist und ihr endlich einfach zu fassen bleibt?

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