Dienstag, 18. August 2015

Blau

Die größtmögliche Wollust ist keine 'Stressreaktion'. Ein solche 'Erklärung' ist nur eine gerundet in sich, selbst nur Selbstbefriedigung, aber sofort am Ende, Abrund, Abgrund. Vielmehr ist sie das vom anderen Geschlecht über eine 'willentliche' Körperhandlung erzeugte Verlangen nach Stressbewältigung, Arbeit. Man muss zwei nach den leiblichen Grundlagen bei beiden Geschlechtern unterscheiden. Weiblich ist in ihr die Bewältigung, Gewalt des Leibes und Fülle als reines Verlangen, Macht, Masse des Fleisches. Männlich an ihr ist ein Verlangen als Überschuss, der durch einen äußeren Mangel ausgeglichen werden muss. Der Mangel wird durch Arbeit zu Überfluss. Die größtmögliche Wollust ist also Ursache der männlichen Arbeit am materiellen Überfluss hin zur leiblich-weiblichen Bewältigung. Die reine Wollust erfolgt daher nicht eigentlich zwanghaft, sondern ist nötig, also natürlicher Not gemäß und die menschliche Reaktion auf Not, die in leiblicher Arbeit ihren Sinn hat. Ein Verlangen nach Arbeit wird so aktiviert von äußerer Not. Die VollLust ist nicht Folge eines - sinnlosen - seelischen Zwangs, sondern ein der äußeren Not folgender Aktivator von leiblicher Energie: FleischesLust, die nach fremder Arbeit verlangt. Der Zwang ist also sekundär. Die Energie oder Arbeit ist Gegenteil inneren Zwanges, sie ist positive Verinnerlichung des äußeren. Not macht stark und Not macht keinen inneren Zwang. Not ist selbst der Zwang und äußerlich. Der Mensch wird nur bewegt zum Verlangen unter günstigen Bedingungen und bewusst ist die Abarbeitung des Verlangens im Spiel zwischen den Geschlechtern. Das Verlangen verwandelt sich so in Schönheit. Darum ist auch Schönheit beim Menschen nicht unmittelbar Bedingung der Arterhaltung, sondern ihr Beiher, das selbst noch durch Arbeit zu züchten ist. Beim Tier ist sie Zufall und erhält die Art als natürliche einfache Notwendigkeit, die Anpassung ist an die Umwelt und Wende der Not. Beim Menschen ist die Schönheit der Lohn der Arbeit nach Befriedigung des Verlangens zur Beseitigung der Not. Die Wende der Not ist beim Menschen also eine Wende des äußeren Zwanges, der sich in einer Krankheit des Leibes manifestiert hat. Die Manifestation ist nur Folge widernatürlicher Askese, die Stress für unüberwindlich hält - sündige Bestimmung, also religiös bedingt - und also nicht ein Verlangen abarbeitet, sondern dagegen anarbeitet und daran sich festfährt. So festgefressen an der Sinnlosigkeit verhungert der Leib beschleunigt. Die Beschleunigung zeigt sich in einer Verschiebung der Proportionen durch sinnloses Wachsen ohne Massenzunahme: der Asket verhässlicht und - macht aber auch dafür wieder das Verlangen nach Arbeit verantwortlich. Das Verlangen wollte erledigt sein für das andere Geschlecht. Der Asket aber bleibt bei der Arbeit an sich hängen ohne Nahrung und er lebt allein den Zwang der Masturbation. Nur für den Asketen ist die Masturbation sinnloser Stress, der die schädliche Wirkung von Hunger auf die Organe des Leibes noch vervielfacht. Folge der Askese ist dann natürlich auch überzogene Gewalt - falsche 'Arbeit' als Leid - gegenüber dem anderen Geschlecht: Folter wird weitergegeben bis zum gemeinsamen Untergang. Dem Asketen fällt die Welt auseinander in lauter Widerlichkeiten: die eigene Hässlichkeit und die hässliche Tat der Gewalt an des andern blutendem Leib. Ihm endet alles in Fäulnis und endlich Faulheit.

Das ist der Unterschied übrigens zwischen Faulheit und Langeweile. In der Langeweile des Koitus erfüllt sich nach getaner Arbeit das Schöne. Die Faulheit des Asketen ist dessen einsames Ende und darin stinkt er nur und stirbt. Wie ein frischer Wind erlöst ihn der fremde Gedanke eines falschen Seins am Ende und die Bewegung der Luft befreit uns von ihm und trägt seinen Staub fort und sein Andenken fliegt mit ihm auf zum Himmel, einfach ins Blaue hinein. Uns ist das Blau kein schlimmer Fleck am Leib, den Gewalt gezeugt, nicht der Tod und das Nichts vor dem unendlichen Schwarz, sondern ein klarer und höchst einfacher Gedanke und simpler Augensinn und Offensichtlichkeit im Freien.

Unser Verlangen, das uns mit einem Willen behaftet zu sein scheint, ist also nichts als äußerer Zwang, äußere Not, die in uns und über uns mittels Arbeit auf sich zurückgewendet wird und sich damit löst. Die Auflösung der äußeren Not durch Arbeit erzeugt nun ein Gefühl des Glücks und der Schönheit. Die fremde Schönheit befindet sich infolge eines Überschusses im unverdienten Zustand der Entspannung: es gibt also auch Schönheit ohne Arbeit: ererbte Schönheit, Schönheit als Reichtum und Besitz. Das grausame Rote am natürlichen Leib muss nicht ins schöne Blaue an der schönen Reichen erst umgewandelt werden. Das also ist die BlauBlütigkeit. Schönheit erfordert viel Besitz und großen Reichtum.

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