Freitag, 18. Dezember 2015

Freiheit und Gerechtigkeit

Freiheit ist die des Warenhandels, der Bewegung toter Zeichen.
Gerechtigkeit ist die des Vertrags, der Schrift, des Sinnzusammenhangs toter Zeichen.

Die Freiheit führt zur viehischen Notwendigkeit, zum lebendigen Sein, das auch ein Rechner widerspiegeln kann. Die Gerechtigkeit will Sinn des lebendigen Seins sein.

Mensch-Sein aber ist widernatürlich und gegen das Leben gerichtet. Eins nur tut dem Menschen not: ein anderer Mensch. Der Mensch braucht zum Leben nichts und braucht auch das Leben nicht. Mensch braucht Mensch.

Die Herrschaft der Zeichen bringt dem Menschen den Irrtum der Freiheit, des Willens, des Zufalls und die Lüge des Bewusstseins, das Rätseln um Sinn und Sinnlosigkeit. Die Schrift entfremdet dem Menschen die Zeichen, verfeinert den Irrtum zur unsichtbaren Lüge, zum Unbewussten. Zum Bewusstsein im Geldschein gehört das Unbewusste der Zeichen.

Die Freiheit führt zum Hirnriss, zum zerstückelten Körperbild, die Gerechtigkeit zum Untergang, zur Auflösung, zum Verschwinden des Leibs.

Der Hirnriss bringt uns den Datenspeicher, die Analyse des Leibes bringt uns dazu die Pflegebedürftigkeit.

Wer oder was immer für Nietzsches Pflegebedürftigkeit verantwortlich war, sie steht im Dienst der Zeichen und hat uns seinen verschriftlichten Leib erhalten. Für die leibliche Wirklichkeit muss man sich mit ihm der Schrift entkleiden. Man muss den Leib in der Grammatik aufzeigen und den Buchstaben aus dem Text heraus drucken. Man muss die Entfremdung unterlaufen und übertreiben.

Mensch braucht zwar Mensch, aber nicht mehr im Reich der Arbeitsteilung. In diesem Reich ist der Mensch sich ganz entfremdet, dort braucht Zeichen Zeichen, Objekt braucht Objekt. Da ist der Mensch nicht mehr Leib.

'Dies ist mein Leib', sprach der Idiot. Das gebrochene Brot aber ist eben  n i ch t  mehr Leib, sondern zerrissener Körper, der gefangen ist von Schuld, geschuldeter Arbeit. Das ist die Sünde, die zur Schuld gehört. Das ist Glaube. Glaube beraubt Menschen des Leibs. Darum wollen Gläubige geschlachtet sein. Die haben ein Verlangen nach Schwachsinn und ein Idiot verspricht ihnen die Ewigkeit im Reich der Schrift und der Zeichen.

Alle Zeichen verweisen auf die vormenschliche Natur. Der menschliche Leib aber ist widernatürlich. Menschlich ist ein Dreierlei aus Abtreibung, Glück des Augenblicks und ewiger Wiederkehr des Gleichen.

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