Sonntag, 1. November 2015

Offenbarung

Schreiben ist möglicherweise Selbstoffenbarung, leibliches Texten urheberfrei, antiautoritär, antiauktorial sich schreibend hinbreitender Leib.

Ich schreibe nicht die Dinge in einem mir eingebildeten äußeren Zusammenhang nieder. Da wäre das Texten idealistisch. Idealismus ist der in den Waren selbst verborgene Wertzusammenhang, zum Schein als Wert für sich gesichtet. So verschieden wie die Gesichter des Waren-, sind die Systeme des oberflächlich idealen Gedankenzusammenhangs. Die Gesichter sind so schön wie verlogen, falsch. Von der Qualität der Dinge und Gedanken muss man eben absehen und zum leiblichen Zusammenhang darunter durch dringen. Es geht einem dann immer gleichzeitig beides auf: der Geldwert als der leibliche Wert der Arbeit in der Ware und der Geist als rein widernatürliche Erscheinung des Leibes. Widernatürlich ist der menschliche Leib in seiner Organisation mit Bezug auf die Natürlichkeit im Verhalten des Herdentiers, den inneren Zusammenhang des Tieres mit seinem sozialen Sein. Des Menschen soziales Sein aber ist widernatürlich und entstanden in einer gewaltigen Notsituation. Uranfänglich menschlich ist die Widernatur. Die hat der Mensch im Erbgut. Sein Leib selbst ist Widernatur. In Manns Welt wird die Widernatur Geist und Gewalt gegen den Leib: im Patriarchat tritt dem Menschen die viehische Ordnung als selbständiges soziales Gebilde gegenüber. Die Ordnung ist widermenschlich und der Leib des Menschen darin wird natürlich gebrochen. Die in der Ordnung mit ihrem falschen Denken gefangenen Idealisten nennen den Bruch 'Erbsünde'. Die Erbsünde ist ein in Manns Welt erzwungener Geburtsfehler, künstlich erzeugt. Wenn die abstrakte Ordnung, die die leibliche Ein-Ordnung ersetzt hat (und 'Unordnung' nennt), sich im finalen und notwendigen (o Wende meiner Not) Selbstwiderspruch zur Verwaltung verdichtet und den gebrochenen Leib zum selbstbewusst an sich leidenden macht, dann zeigt der Idealismus sein wahrlich oder wahrhaftig widermenschliches Gesicht und nennt das SelbstZweck und Schönheit an sich oder Kunst. Der Idealist behauptet damit nicht mehr und nicht weniger als dass eine Vergewaltigung ihr Opfer schön macht. Das ist die Kunst des heimlichen Mordens. Alle moderne Kunst ist genau dies: höchst überspannte Idiotie. Im Schaustück der Konsumdeppen ist der Idiot ein Stern. Dostojewski. Freud war Erfinder der Sektion als abstrakter Kunst: durch die Kunst der Psychoanalyse liefert er als eingebildeter GeldGeier Patientenleiber dem wunderbaren Fraß seines eigenen Geistes aus, wenn er fordert, dass der Mensch des höchst wollüstigen leiblichen Selbstbezugs durch einen dem starren stationären Behandlungsapparat ergebenen Arzt und Medizinmann dem Koitus normalis wieder zugeführt werden muss. Da zerfällt der Leib scheinbar von allein in seine wesentlichen Bestandteile. Das Wesen der Analyse ist eine falsche Anordnung der Teile. 'Ende der hässlichen Wollust', krächzt der Geier, 'es lebe die Fortpflanzung in ewig langer Weile'. Der Es-Ich-Überich-Apparat ist die letzte ärztliche Gedanken-Sauerei in der Geschichte der Menschheit: Verstellung und Entstellung durch Verschiebung und Verdichtung. Da wird nicht mehr operiert, sondern der Mensch zu Tode gebildet, ins Jenseits studiert. Geist ist Gelehrten-Weisheit und das Jenseits dürfte mit Kafka deutlich der Beamtensarg sein. Freud kann eigentlich nur der christlich-jüdische Untergang folgen oder die leibliche Befreiung. Der Untergang des männlichen Geistes deutet sich an, wenn im Verwaltungsapparat sich die Allmacht des Staates verfestigt. Was die Moslems nun ihre Mission nennen, ist reine Verzweiflung über die menschliche Ohnmacht, die auch den Mann erfasst. In ihrer Verzweiflung opfern sie sich einem 'heiligen' Staat und begehen in ihm und für ihn Selbstmord. Dieser Selbstmord, das Opfer im heiligen Krieg, ist nun aber nichts als der beschleunigte Untergang des Geistes im christlich-jüdischen Sinn. Die drei großen EinMannReligionen sind sich einig im Ergebnis einer Hoffnung, die so simpel und klar wie grauenhaft ist. Die Apokalypse ist ihre Offenbarung der Wahrheit des männlichen 'Geistes' als Untergang der gesamten Menschheit durch einen abschließenden totalen Krieg. Dieser Krieg hat wahrhaftig nichts Göttlich-Übersinnliches an sich, er ist nur einer des Kampfes der zu Reichen angeschwollen Staaten und ihrer Verwaltungsmaschinen gegeneinander. Diese Offenbarung saugt die letzte Energie aus zerfleischten menschlichen Leibern. Das wird auch das Ende der Reiche und Reichen bezeugen.

Die leibliche Befreiung: soll sie mehr sein als des Leibes Rest und ein schmerzliches Gemisch aus gemeinsamer Wollust und gegenseitiger Abtreibung, dann muss man die mannsgotttollen Gläubigen alle rechtzeitig totschlagen. Mit der Vernichtung der Gläubigen des EinGottWahns verschwinden notwendig die Staaten und Reiche. Wenn man dann auf die Grenzen verzichtet, werden die Volkleiber einfach bei sich bleiben. Die höchste Wollust erfährt der Volksleib in der Grenzenlosigkeit. Da verdichtet er sich. Es gibt keine gewaltfreie Grenzenlosigkeit ohne den bis zum Exzess betriebenen Atheismus als Erlöser des menschlichen Leibes. Wenn die Staaten am Platzen sind, müssen umgehend die Gläubigen alle aufs Schafott zum Wohle der gesamten Menschheit. Die Priester muss man der Natur übergeben, ihnen die Wirbelsäule zur Befestigung des Kreuzes durch einen Pfahl ersetzten und sie dann Wind Wetter überlassen und vor allem des Raubes Vögeln, Schnäbeln und Krallen. Zähe Hautfetzen sollen sie sein in alle Ewigkeit stöhnend an den Stangen ihres grausamen Gewissens hangen.

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