Dienstag, 10. November 2015

Krebsgeschwür

Man kann seinen der Not bedürftigen Körper nicht reparieren, indem man sich mit Gewalt die Reste eines anderen einverleibt. Angst ist der Hunger eines Leibes nach Blut und Fleisch eines andern unter dem Zwang und der Herrschaft des Geistes. Ekel ist das Gefühl der Sättigung unter dem selben Zwang. In der Angst ist man einer zu wenig und im Ekel einer zu viel. Immer verhindert der Geist mit Gewalt, dass man einer allein ist.

Geist los wird man durch körperliche Arbeit, da repariert der Leib sich selbst. Geistlos ist die Arbeit am eigenen Leib ist man wollüstig einfach sich eins. Die Angst des andern bleibt aus und kein Ekel stellt sich mehr ein.

Die Organtransplantation ist eine Operation des Geistes, die einem die schreiende Angst des Zerstückelten einpflanzt und dem eigenen Leib einen abstoßenden Ekel macht. Den Ekel unterdrückt das Cortison, die Schreie der fremden Organe aber bleiben uns erhalten im Traum Nacht für Nacht. Der Ekel wird unterdrückt, die Angst aber bleibt ewig und unbegreiflich - ist die Grausamkeit des gewaltsamen Raubes.

Gott ist menschenfressender Geist ganz in Weiß: Krebsgeschwür. Feuer Messer und Gift sind sein verlogenes Heil. Sein Feuer frisst, das Messer misst und sein Gift ist ein Gedicht, das uns wieder richt.

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