Mittwoch, 9. November 2016

Hunger Krieg Pest

Erst kommt der Hunger, dann Krieg, dann die Pest. Der Hunger macht die Menschen zur Masse, und da mit Notwendigkeit zum schwindenden Fleisch. Das schwindende Fleisch ist erfüllt vom Verlangen nach sich. Der Wunsch lockt es an, Begier treibt es voran. Es gibt die Dicke nicht mehr, Wünsche haben getrogen, Waren nur Wünsche der Not. Die Masse hat sie verschlungen. Männer werden am leiblichen Mangel der Weibchen schwach, sie wandern in der Masse, verwandeln sich, geben der Begierde in ihr für sie und sich nach.

Der Mangel an Brot verhandelt Fleisch um Trieb. Der Mangel an Wein verwandelt Blut in Treibstoff, von dem die Masse des Fleisches zehrt. Die Masse verzehrt sich. Sind alle eigenen leiblichen Reserven verbraucht, müssen die der andern gefressen werden: das ist Krieg. Geht endlich der Treibstoff zur Neige, wird das Fleisch der Masse Ungeheuer ruhig und faul. Der kranken Faulheit der Masse folgt das Geschwür: die Pest holt sich den unwiederbringlich verdorbenen Rest.

Der Mensch baut Mauern gegen den Hunger, der Krieg bricht sie und die Pest streicht über sie hin.

Das ist die Endzeit, wenn die Reichen schlank sein wollen und die Armen mager sein müssen. Da kommt der freie Wille her, ein Kind des unsinnigen Zwangs. Freiheit hängt am Blödsinn wie die Wollust an der Angst.

Licht scheint leicht und die Askese schwer zu sein. Die Reichen suchen nach dem Sinn in der Dunkelheit, die Armen nach dem Grund der eigenen leiblichen Leichtigkeit. Da finden plötzlich Sucht und Suche in neuer Sinnlichkeit ihre Erfüllung.

Arbeit baut Mauern, Gewalt reißt sie ein. So findet der Mensch zu sich. Der Mauern Schutt wird Wall. Sanft streift die Liebe über gezügelte Wollust hin.

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