Nietzsche und De Sade
Jede Fessel moralischer Not hat ihre Wurzel im menschlichen Leib. Der Inhalt der Not, die Besonderheit, die die Fessel an sich zeigt, hat ihren Ursprung in äußeren Zwängen, die selbst sich Grund zu sein scheinen. Tausend Völker gibt es und jedes hat so ein eigenes Bild vom Leib. Der Leib aber ist ihnen verborgen in einem Bild moralischer Geborgenheit. Hohl ist der Begriff der Menschlichkeit solange sich die tausend Völker nicht unter der einen gemeinen Fessel vereinen. Noch gibt es weder Menschheit noch 'Menschlichkeit'. Noch fehlt der 'Menschheit' die eine Fessel der tausend Nacken. Weder ist Mitleid noch Gerechtigkeit 'menschlich'. Jede Tugend ist verkehrt, zu der es noch eine Untugend gibt. Was bei dem einen Tugend ist, erscheint als Untugend beim Nächsten. Wie heißt das eine Joch der tausend Nacken, das den Geist von seinen äußeren Zwängen befreit. Das letzte Joch ist der allen gemeinsame Leib mit der urmenschlichen Not, der verinnerlichten Hungersnot. Im Kopf aller Menschen steckt der so beschränkte Leib. Wenn der Mensch diese Beschränkung erkennt, ist der Leib der Menschheit befreit. Darum ist der 'Vogel Albatross' nicht ein Sinnbild für Nietzsches Überheblichkeit – die gehört zu Zarathustra als Adler –, sondern Ausdruck des Glückes, das im Leib mit dessen Bewegung, der leiblichen Arbeit an sich und am Widerstand natürlicher und lebensnotwendiger Dinge, aufsteigt.
Die Kunstwerke in Lacoste zeigen diese Tugend der Menschlichkeit als Erkenntnis hinter Gittern – mit verschänkten Armen: dem trotzigen Willen zur Wahrheit - und den von den Beschränkungen der tausend Tugenden und aller Moral endlich freien Leib. Die letzte Tugend ist wohl die einer Liebe, die Leib und Geist im Einzelnen und für alle gemeinsam vollkommen vereint.
Da erst hat der Mensch in der Erde seine Heimat, wo der Begriff (männlich) und der Leib (weiblich) verbunden erscheinen. Der Begriff des (Über-)Menschlichen ist wirklich in den Waren, der Leib imaginär in der Bewerbung ihres Werts.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen